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7.2 – Der Dokumentarfilm #FilmLiteracy

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In dieser Einheit untersuchen wir die faktenorientierte Form des Filmemachens, welche als Dokumentarfilm bekannt ist.

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Der Dokumentarfilm hebt sich von den anderen Filmgenres ab. Theoretisch ist kein Drehbuch im strengen Sinn vorgesehen, denn er zeigt eine reale Situation, die sich ohne erzählerische Eingriffe entfaltet. Da er nicht auf einer erfundenen, konstruierten Geschichte aufbaut, gibt es auch keine Schauspieler. Vielmehr erfasst er, wie sich das Leben entfaltet, oder zeigt besonders interessante Aspekte des Lebens.

Kino entsprang genau diesem Bedürfnis, die Wirklichkeit zu dokumentieren. Die ersten Kinofilme könnten als wahre Beispiele des Dokumentarfilm betrachtet werden: sie sind in der Tat als Filme des „wahren Lebens“ bekannt, denn sie thematisieren Episoden des täglichen Lebens. Es gibt Aufnahmen reeller Ereignisse, wie Arbeiter an den Fabriktoren in La sortie des usines Lumière (1895, Arbeiter verlassen die Lumière-Werke) von Louis und Auguste Lumière, oder Naturaufnahmen, wie in Rough Sea at Dover (1895) von Birt Acres.

Auch wenn der Dokumentarfilm keine erzählerischen Elemente zulässt, so zeigt er doch eine ausgewählte, manipulierte Wirklichkeit: der Regisseur entscheidet schließlich, was und wann gefilmt wird, und bevorzugt somit einen gewissen Teil der Wirklichkeit mehr als einen anderen.

Bei einer Vielzahl an behandelten Themen, hatte der Dokumentarfilm über die Jahre verschiedene Merkmale und Ziele verkörpert. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war er zu einem wertvollen Instrument geworden, den Menschen die horrenden Folgen des Kriegs nahezubringen. Völlig anders dagegen sind die Dokumentarfilme über die Natur von Regisseur James Algar und Produzent Walt Disney, die in den 40er-Jahren beliebt wurden.

In den 50er und 60er-Jahren etablierte sich der Investigative Dokumentarfilm, und der politische Dokumentarfilm bildete sich heraus. Sie entlarvten Ungerechtigkeiten in allen Teilen der Welt, und dokumentierten Formen des Protests, wie beispielsweise die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Zu den großen Dokumentarfilmmachern gehören Joris Ivens, Chris Marker und Robert Kramer.

Ab den 60er-Jahren multiplizierten sich die Arten des Dokumentarfilms, u. a. aufgrund neuer hochentwickelter Techniken und Beleuchtungs-Equipment, sowie einem neuen Trend zur Ausbildung der Filmemacher. Parallel zur Entwicklung einer zunehmend komplexen Wirklichkeit schaffte der Dokumentarfilm bedeutsame Momente zur Analyse und Reflexion.

Mockumentaries sind heute sehr erfolgreich. Der Begriff kombiniert zwei Worte: „mock“ und „documentary“. „Mock“ kann „falsch“ bedeuten, aber es bedeutet auch „sich lustig machen“, bzw. „imitieren“. In diesem Sinne, sind Mockumentaries nicht einfach eine Fälschung, sondern ein Mittel zur Unterscheidung zwischen Fakten und einer erfundenen Wirklichkeit, die auf den ersten Blick plausibel und nicht gespielt erscheinen mag.

Das älteste Beispiel hierfür ist das berühmte Experiment von Orson Welles, der 1938 Herbert George Wells Der Krieg der Welten im Radio präsentierte, und damit Panik an der Küste von New Jersey auslöste. Zwei Millionen Leute flohen von ihrem Zuhause, in der Überzeugung, dass eine Invasion der Marsbewohner drohte.

Der erste Streitfall bezüglich eines Films betraf 1965 den Film Kriegsspiel von Peter Watkins, der die Möglichkeit eines nuklearen Angriffs auf England und die Konsequenzen eines Atomkriegs für die Bevölkerung von Kent realistisch machte. Die BBC hatte den Film ursprünglich für das Fernsehen produziert, zeigte ihn dann jedoch nur in den Kinos, wegen der Schwere des Themas und den Auswirkungen bestimmter Szenen.

 

Produktionspartner: Aiace Torino http://www.aiacetorino.it/
Sprechtalente: Dirk Ploenissen, Linda Christine Hermes
Musik: Bensound – Brazilsamba (Composed and performed by Bensound http://www.bensound.com)

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