Uncategorized

Io Sono Li (2011)

Play Podcast
4 min. and 46 sec.
Play Podcast
4 min. and 46 sec.

Nach der Filmvorführung im Rahmen der Venice Days bei den 68. Internationalen Filmfestspielen in Venedig kam der Film Io Sono Li im September 2011 in die italienischen Kinos, und kurz darauf in vielen weiteren europäischen Ländern, darunter Frankreich und Spanien.

Drehbuchautor und Regisseur Andrea Segre erzählt die Geschichte der jungen chinesischen Immigrantin Shun Li, die in einer Textilfabrik in Italien hart schuften muss, um die notwendigen Papiere zu bekommen und ihren Sohn nach Italien zu holen.

Io sono Li wurde bei den Filmfestspielen in Venedig gleich mit drei Filmpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem FEDIC-Preis (des italienischen Verbands der Kinoklubs) für „die Originalität der Geschichte, welche fiktionale und dokumentarische Elemente kunstvoll miteinander verwebt und uns ein wirkungsvolles und überzeugendes Bild der heutigen Realität bietet“.

Angefangen mit der Filmvorführung von Dio era un musicista (God was a Musician, 2005), ein Film über die afrikanische Kultur, standen Andrea Segres Werke schon mehrmals in Venedig im Rampenlicht. Stets geht es um die soziale Ausgrenzung bestimmter Volksgruppen sowie um die Suche nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit, wobei der Autor und Regisseur versucht, deren Begegnungen in verschieden sozialen Kontexten zu durchleuchten.

Weitere Beispiele sind die Dokumentarfilme Lo sterminio dei popoli zingari (The extermination of the Gypsy race, 1998) und Come un uomo sulla terra (Wie ein Mensch auf Erden, 2008), welche Erlebnisse und Leiden von Migranten auf ihrem Weg nach Europa darstellen. Zu erwähnen ist auch Segres Film Il sangue verde (Das grüne Blut), bei dem die Ereignisse und gewaltsamen Konflikte in Rosarno, in der süditalienischen Provinz Reggio Calabria, rekonstruiert wurden. Hunderte von Migranten demonstrierten im Januar 2010 auf den Straßen der Stadt gegen Diskriminierung und elende Lebensverhältnisse; sie setzten Fahrzeuge in Brand und kämpften mit der Polizei.

Io sono Li ist Segres erster „Spielfilm“, in dem jedoch die dokumentarische Sensibilität des Filmemachers deutlich zum Vorschein kommt, insbesondere mittels einer Kameraführung, welche die Tiefe und Komplexität realer Schauplätze bewusst ausnutzt. Das Streben nach realen Milieus zeigt sich vor allem darin, dass die Bar, in der die Hauptfigur Shun Li arbeitet, tatsächlich existiert. Sie heißt „Osteria Paradiso“ und befindet sich in der kleinen Lagunenstadt Chioggia bei Venedig. Das kleine Lokal ist Lieblingsplatz der hiesigen Fischer und wird tatsächlich von chinesischen Immigranten betrieben. Hier ließ sich Segre für die bedeutendste Begegnung seines Films inspirieren: „Der Film entstand auf der Grundlage einer wahren Geschichte bzw. aufgrund der Begegnung mit einem chinesischen Mädchen, das hinter dem Tresen eines Lokals in Chioggia arbeitete, welches hauptsächlich von Fischern besucht wurde. Ihr bei der Arbeit zuzusehen, lieferte mir Ideen für meine Geschichte. Welche Art von Beziehungen würde sie wohl in einer Region wie Venetien aufbauen können, wo man so gar nicht an Veränderung gewöhnt ist? Während dieser realen Begegnung entstand die Idee, eine fiktionale Geschichte zu erzählen“, erklärt der venezianische Filmemacher.

Zu den jüngsten Werken des Regisseurs zählt der Dokumentarfilm Indebito (Rebetiko Crisis: Undue Debt, 2013), welcher seine Interessen sowie seine Poesie widerspiegelt: Die Tournee des italienischen Musikers Vinicio Capossela wird zur leidenschaftlichen Analyse der griechischen Kultur und Gesellschaft in den Jahren der finanziellen Krise. La prima neve (First Snowfall, 2013) erzählt die Geschichte eines jungen Mannes aus Togo, der nach Italien auswandert und in ein Bergdorf zieht, wo er eine starke Bindung zu den Einwohnern schafft. Come il peso dell’acqua (Like the Weight of Water) wurde in Erinnerung an die Tragödie in Lampedusa gedreht, bei der im Jahr 2013 366 Migranten ertranken.

Now playing:
Featured Posts